Zur Geschichte der St. Nicolai Kirche in Lüneburg

St. Nicolai ist eine dreischiffige Backstein-Basilika mit Seitenkapellen und Emporen über diesen, die fast die Höhe der Seitenschiffe erreichen. Das Mittelschiff erreicht eine Höhe von 28,5 m.

 

1406 / 07 Baubeginn
1406 erhält die Stadt vom Bischof von Verden die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle im Wasserviertel
1407: Eine Urkunde belegt, daß in diesem Jahr eine finanzielle Transaktion zur Sicherstellung der Finanzierung des Kirchenbaus stattfand.
1409 Die Kapelle wird geweiht.
um 1420 Errichtung von Chor und Langhaus
Die Kapelle wird für das schnell wachsende Wasserviertel zu klein. Der Rat beschließt eine Kirche zu errichten.
(Über die Baugeschichte ist insgesamt wenig bekannt.)
 1460 Baubeginn des Turmes
Der begonnene Westturm für das Langhaus blieb nach schon einem Jahr aufgrund fehlender finanzieller Mittel liegen.
 1587 Vollendung des Turmbaus
Der Turm und das Westjoch der Kirche waren schlicht gegründet und wiesen schon bald Bauschäden auf. Umfangreiche Instandsetzungen sind zwischen 1650 und 1670 sowie ab 1710 überliefert.
 1760 Das Glockenläuten mußte eingestellt werden.
Die Kirche erreicht einen kritischen Zustand durch eine bedenkliche Neigung des Turmes und einiger Pfeiler nach Westen.
 1811 Ein Blitzschlag zerstört die Turmspitze.
 1830-1832 Abriss des Turmes
 1843 Gründung eines Kirchenbauvereins "Rettet St. Nicolai"
Aufgrund der Bemühungen des Lehrers und Kantors Klingemann wird ein Kirchenbauverein zur Erhaltung der Kirche gegründet.
(Ein Gedenkstein in der Kirche würdigt Klingemann als Retter des Gebäudes.)
 1864 Beginn der Restaurierungsarbeiten am Kirchenschiff
Der hannoversche Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase, ein bedeutender Architekt der Neugotik und erfahrener Kirchenrestaurator wurde mit der Bauleitung beauftragt.
 1896  Fertigstellung des Turmes
 1899 Die Restaurierung wird vollendet mit dem Bau der spätromantischen Furtwängler & Hammer-Orgel.
Hundert Jahre später wird diese besondere Orgel wieder in ihren Urzustand zurückversetzt.
 1977 Die Altartafel „Abraham und Melchisedek“ des Heiligentaler Altars wird durch einen Säureanschlag stark beschädigt und in den Folgejahren restauriert und ergänzt.
 1987 Im Chor werden zwei Fenster nach Entwürfen von Johannes Schreiter eingebaut: das Gethsemane-Fenster im Norden und das Golgatha-Fenster im Süden.
 2001 -
 2003
Die Orgel, die im 20. Jahrhundert mehrfach umgebaut wurde, wird auf ihre originale Beschaffenheit als spätromantische Orgel einschließlich der ursprünglichen pneumatischen Technik zurückgeführt.
 2009 Die dritte Glocke, nur mit Spenden finanziert, wird zum 600. Geburtstag der Kirche geweiht. Gegossen von der Fa. Rincker ist sie mit einem Fries von Franziska Schwarzbach verziert.
Detaillierte Informationen liefert: „St. Nicolai in Lüneburg; Bauen in einer norddeutschen Hansestadt 1405-1840“ von Hansjörg Rümelin, Hannover 2009

Die Schifferkirche im Wasserviertel der Stadt wurde im Stil der französichen Kathedralen in der Zeit von 1407 bis 1440 (ohne Turm) erbaut und ist damit die jüngste der ursprünglich 4 Innenstadt-Kirchen (St. Lamberti wurde 1861 abgerissen).Sie unterscheidet sich im Baustil von den beiden anderen Kirchen (St. Johannis und St. Michaelis sind sogenannte Hallenkirchen, bei denen die Haupt- und Seitenschiffe die gleiche Höhe haben) durch das 28,5 m hohe Hauptschiff, während die Seitenschiffe nur die Höhe von 13,5 m haben, eine sogenannte Basilika. Ein weiterer Unterschied fällt beim Eintreten sofort ins Auge: das Backstein-Mauerwerk, gekrönt durch das Sterngewölbe.

Schlichter und erhabener kann Gotik kaum sein. Die strenge Schlankheit nimmt den Blick mit nach oben und läßt den Besucher für einen Moment verharren.

Dann bleibt das Auge wieder an dem matt golden glänzenden Hauptaltar hängen. Er stand zusammen mit der ihn tragenden Predella bis 1861 in der St. Lamberti-Kirche und ist in die Mitte des 15. Jahrhunderts zu datieren. Nur während der Passionszeit verdecken die Flügel des Altares die 20 geschnitzten Szenen aus dem Leben Jesu und zeigen bis Ostern Bilder aus dem Leben von Heiligen und Märtyrern; in der Karwoche dann die Opferung Isaaks und die Kreuzigung Jesu.

Wer vor den Stufen des Altares stehen bleibt, um diese Bildtafeln von Hans Bornemann zu betrachten, wird von hier aus auch die beiden modernen Fenster im Chor der Kirche wahrnehmen (Johannes Schreiter, 1987). Sie erschließen sich dem betrachter nach eingehender Meditation, aber auch durch die beiden unmittelbar unter den Fenstern befindlichen Darstellungen (Gethsemane und Golgatha).Älter als der jetzige Bau der St. Nicolai-Kirche ist das Bronzetaufbecken aus der Zeit um 1325. Es gehörte ursprünglich zur Cyriakus-Kirche am Fuße des Kalkberges.

Im Chorumgang ist auf einer Tafel vor goldenem Hintergrund die älteste Stadtansicht Lüneburgs zu sehen (um 1445). Dieses Bild und alle im Chorumgang gezeigten Tafeln und Reliefs gehören zu dem sog. Heiligenthaler Altar, dem Vorgänger des derzeitigen Hauptaltares. Er enthält noch eine weitere, jedoch sehr viel größere Stadtansicht, auf der Darstellung der Begegnung von Abraham und Melchisedek (links vom Chorfenster).Diesem Fenster gegeünber ist eine Predella aufgehängt aus dem Jahr 1577. Zu sehen sind 4 Darstellungen aus dem Alten Testament, bezogen auf den in der Mitte abgebildeten Christus mi den durch Symbole dargestellten beiden reformatorischen Sakramenten Taufe und Abendmahl.
 
Wer sich nach diesem Rundgang durch die an Kunstschätzen reiche Kirche noch entschließt, den Turm der Kirche zu besteigen, wird nach 239 Stufen, die ihn an der berühmten Marienglocke (Gerhard van Wou, 1491) vorbeiführen, mit einem einmaligen Ausblick belohnt.
 
Die Altartafel „Abraham und Melchisedek“ des Heiligentaler Altars wird durch einen Säureanschlag stark beschädigt und in den Folgejahren restauriert und ergänzt.