Informationen zu Turm, Uhr und Glocken von St. Nicolai

Turm

Auffällig ist der im Stil der Neugotik erbaute, 92,7 Meter hohe Backsteinturm, der erst von 1831 bis 1895 neu errichtet wurde. In ihm hängen drei Läuteglocken mit den Schlagtönen a°,c´ und e' sowie zwei mittelalterliche Uhrglocken. Die große Läuteglocke, die „Marienglocke“, wurde 1491 von Gert van Wou gegossen und wiegt etwa 4,2 t, sie ist eine Schwesterglocke der berühmten „Gloriosa“ im Erfurter Dom. Der Turm der Kirche trägt nur an drei Seiten eine Turmuhr. An der Nordseite ist keine Uhr angebracht und zum Mittelschiff die neue Schifferglocke. Der Grund dafür ist der an der Nordseite befindliche Treppenaufgang, der es den Konstrukteuren unmöglich machte, dort ein viertes Ziffernblatt anzubringen.

Mit dem Bau des 1. Turmes der St. Nicolaikirche wurde erst 1460, also ca 20 Jahre nach Vollendung des Kirchenschiffes begonnen. Auf Stadtansichten Lüneburgs aus dieser Zeit welche sich auf Altarteilen in der Nicolaikirche befinden ist auch heute noch zu sehen, wie die Kirche damals aussah.

Die Arbeiten am Turm wurden jedoch bereits ein Jahr später auf einer Höhe von ca. 50 m eingestellt, er blieb zunächst unvollendet. Erst 1587 erhielt er einen Helm. Doch da sowohl der Turm als auch das Westjoch der Kirche schlecht gegründet waren, musste immer wieder an der Kirche gearbeitet werden, da es zu immer mehr Bauschäden kam. Trotz aufwendiger Instandsetzungsarbeiten 1650, 1670 und ab 1710 musste 1760 das Geläut eingestellt werden, um dem Turm nicht weiter zu schaden.

1811 kam es zu einem Blitzschlag, der die Turmspitze zerstörte. Als nun zwischen 1818 und 1830 zunächst Königin Charlotte und nach ihr die Könige Georg III. und Georg IV. starben, was jedes Mal ein lang anhaltendes Trauergeläut nach sich zog, musste der Turm 1830-32 entgültig abgerissen werden, jedoch nur zu einer Höhe, welche die Standfestigkeit des ebenfalls stark beschädigten Kirchenschiffes gewährleisten konnte.

Nach dessen Instandsetzung wurde 1869 mit dem Neubau eines Turmes auf dem alten Fundament begonnen, welcher 1895 fertiggestellt werden konnte. Die letzten Veränderungen wurden zwischen 1990 und 1996 vorgenommen, als der Außenbau des Turmes zum bisher letzten Mal renoviert wurde.

 Das Uhrwerk

 

 

 

1895 erhielt der Turm ein Betglockenwerk der Fa. Weule, das auch die Uhr am Laufen hielt. 1967 beschloss der Kirchenvorstand, dieses mechanische Meisterwerk auf elektrischen betrieb umzustellen. 1995 wurde das alte Uhrwerk dann wieder in Betrieb genommen. Seitdem werden die Gewichte mit Motoren aufgezogen und halten das Uhrwerk am Laufen und müssen nicht wie ursprünglich in unregelmäßigen Abständen von Hand aufgezogen werden, der Charakter und die Tücken des alten Uhrwerkes sind davon unberührt. Mit seinen Zahnrädern, hebeln, Winkeln und Seilzügen ist dieses Uhrwerk in der Zeit von Digital und Funkuhren ein Stück Technik Geschichte. Der Weg vom Uhrwerk bis an die Zeiger, Glocken kann beim Besteigen des Turmes nachvollzogen werden und offenbart dem Interessierten Besucher viele technische Raffinessen des ausklingenden 19. Jahrhunderts.

 

Die Glocken

Vor dem Abriss des Turmes 1830 wurden 3 Läute und die 2 Uhrenglocken verkauft. Als 1860 die St. Lambertikirche abgebrochen wurde, erhielt St. Nicolai aus den vorhandenen Kunstschätzen unter Anderem auch 5 neue Läuteglocken. Diese wurden jedoch im 1. Weltkrieg zum teil eingeschmolzen. Eine Ausnahme bildet hier die Marienglocke, welche den Krieg, vermutlich aufgrund ihrer unverkennbaren "Verwandtschaft" zur Gloriosa aus Erfurt, unbeschadet überstanden hat. Zusätzlich erhielt man als Entschädigung noch eine Glocke, welche ursprünglich aus Fischhausen (Samland/Ostpreußen) stammte. Neben diesen Läuteglocken existieren noch die beiden Zeitglocken, die Katharinenschelle (Stundenglocke) aus St. Lamberti und die Franziskusschelle (Viertelstundenglocke) aus St. Marien.

1. Marienglocke a° v.St. Lamberti Wou (1491) 4200 Kg

2. Glocke e’ aus Fischhausen/ OPr. Dornmann (1674) 1040 Kg

3. Schifferglocke c´ läutet als Friedensglocke von Rinker/ Sinn (2009) 2640 Kg

4. Katharinenschelle v.St. Lamberti 1445 (Stundenschlag)

5. Franziskusschelle v.St. Marien 1516 (Viertelstundenschlag)

Die alte Viertelstundenglocke (1587) gehört zu den 1830 geretteten Glocken und hängt heute im Dachreiter der Martin-Luther-Gemeindehauses in Lüneburg.

 

 

 

 

 

 

Die Marienglocke gehört zu den Kostbarkeiten der Lüneburger Glocken Landschaft. Mit Ihrem Gewicht von 4.200 Kg und dem Durchmesser von 1,90 m. Sie wurde 1491 von dem berühmten flämischen Meister Gerhard van Wou welcher auch die Gloriosa im Erfurter Dom geschaffen hat. 2 auch von der Gloriosa bekannte Marienreliefs schmücken ihren Mantel, leider sind diese seit die Glocke um 90° gedreht wurde nicht sofort zu erkennen.